The taste of life


Eurasische Wasseramsel | White-throated dipper (Cinclus cinclus)

The taste of life

I walked through life
and discovered its unique fruit
Then when I could taste
of its enticing pulp
I was overwhelmed
by its bitter-sweet taste

But then when I realised
that I cannot savour
the sweet without the bitter
I learnt that relishing the latter
brings rich fulfilment


Der Geschmack des Lebens

Ich ging durch das Leben
und entdeckte seine einzigartige Frucht
Endlich vom verlockenden Inneren kostend
war ich überwältigt
von ihrem bittere-süßen Geschmack

Als ich merkte, dass ich
das Süße nicht ohne das Bittere
genießen kann
lernte ich, dass der Genuß des Letzteren
reiche Erfüllung bringt

© Njikoha Ebigbo 2021


Horror in paradise


Das Helmknabenkraut | The Military Orchid (Orchis militaris)

Ich will leben

Geräuschlos fließt der Bach
Azurblau durch die Schlucht
Darin wehen Pflanzen
wie langes seidiges Haar

Dem Bachlauf folgend
dort wo der weiße Kalkfels
im blauen Wasser sich spiegelt
wähnte ich mich im Paradies

Ein Graureiher fliegt vorbei
rufend, einem Urvogel gleich
Doch bevor mich langsame Flügelschläge
im Tagtraum fortzutragen vermögen
fängt das Schrecken mein Auge

Ein Stock schwingt durch die Luft
Hin und her, immer wieder
trifft mit geübter Präzision
und sein Leben entweicht
dem grau bekleideten Federleib

Ein verstohlener Blick trifft auf meinen
und ich sehe diese Angst
die den Verstand mit Wut vernebelt
Jetzt, zu spät für Reue
der leblose Körper fortgetragen

Dann ist es wieder ruhig
Jungfische springen übers Wasser
während der alte Forellenwärter
alltägliche Handlungen vollführend
Futter über seine Teiche streut

Entsetzen weicht der Trauer
ein Leben gewaltsam genommen
ohne Not und vermeidbar
Ein Graureiher krächzt traurig zustimmend
Und Ich drehe um
seinen Ruf bachaufwärts folgend


I want to live

The stream flows silently
azure blue through the clove
Plants waving therein
their long green silky hair

Along the stream
where the white limestone rock
reflects in blue water
I thought myself in paradise

A grey heron flies by
calling, like a primeval bird
But before its slow wingbeat
carries me away in a daydream
a horrid sight catches my eye

A stick swings through the air
Back and forth, again and again
hits with practised precision
and its life escapes
from the grey-clad feathered body

A furtive glance meets mine
and I see such fear that clouds
the mind with blinding rage
Now, too late for remorse
the lifeless body is carried away

Then it is calm again
Young fish leap across the water
whilst the old trout keeper
performing everyday acts
scatters food over his ponds

Horror gives way to grief
a life taken by force
without Need and so avoidable
A grey heron caws in sad agreement
And then I turn around
following its call upstream

© Njikoha Ebigbo 2021