never ending



wie aus dem nichts
explodiert die Welt
in einem Meer aus Blüten und Blättern
Frühling ist im Anmarsch
der Angriff wohl geplant
kraftvoll mit Hoffnung
die Kälte zurück gedrängt

Stück für Stück
erobern sie Gebiete
nehmen Stellungen ein
treffen aufeinander
dringen ein
halten Widerstand
Pilzgeflecht und Wurzelwerk
eng verwickelt
im Überlebenskampf

über dem weichen Waldboden
regnet es massenhaft ihre Geschosse
sie schlagen ein
als die Gruppen über den Boden rennen
und ihre Spuren der Verwüstung hinterlassen
die Erde umgewälzt
Moos und Pilze liegen in Fetzen
während die Rotte ihre Plünderungen fortsetzt

der Herbst fällt ein
jagt mit Nebel, Wind und Sonne
übers grüne Leben
Die flammenden Bäume
entzündet im letzten Akt des Rückzugs
der Boden übersät mit Bucheckern

als die weiße Fahne
über die weite Landschaft fällt
verstummen alle Laute
und das Geschehene nimmt ein Ende
Gerippe ragen hoch
kahle Köpfe in eisigen Winden
trostlos und kalt liegt die Welt
und ganz allmählich kehrt die Ruhe ein

doch behaarte Knospen
und die baumelnden Glöckchen
verraten es bereits
Vorboten des schlummernden Widerstands
Kein Ende
nur das Leben
immer wieder

(c) Njikoha Ebigbo 2023

as if from nowhere
the world explodes
in a sea of blossoms and leaves
the attack well planned
spring is on its way
powerful with hope
the cold pushed back

inch by inch
they conquer territories
take up positions
engage each other
invade
hold resistance
fungal network and root system
closely entangled
in the struggle for survival

above the soft forest floor
they strike
their projectiles rain down en masse
as the groups run across the ground
leaving their trail of devastation
the earth upturned
mosses and mushrooms lie in tatters
as the rot continues plundering

autumn falls
with mist, wind and sun
over the green life
the flaming trees
ignited in the last act of retreat
the ground littered with beechnut

as the white flag
falls over the vast landscape
all sounds fall silent
and the events come to an end
skeletons rise high
bald heads in icy winds
the world lies desolate and cold
and very gradually calm returns

yet hairy buds
and dangling bells
betray it already
the slumbering resistance
foreboding
no end
only life
again and again


This nature poem ponders upon the ongoing wars on earth by mirroring interactions in nature.

Dieses Naturgedicht denkt über die andauernden Kriege auf der Erde nach, indem es die Interaktionen in der Natur widerspiegelt.


a glow akindled



Wolken westwärts ziehend
die Welt in grau verhüllend
können nicht verbergen
die zarte Berührung des Frühlings
wenn sie in ihren treuen Boten
ein sanftes Leuchten entfacht

(c) Njikoha Ebigbo 2023

Clouds westward bound
the world grey and wet
can not shroud
spring’s subtle touch
as she lights up
her ardent heralds



This nature poem encourages mindfulness when everything is grey and drab. In the subtle perspective of a heightened awareness joy may be found in places least expected.

Dieses Naturgedicht ermutigt zur Achtsamkeit, wenn alles grau und trist ist. In der subtilen Perspektive eines geschärften Bewusstseins kann man Freude an Orten finden, an denen man sie am wenigsten erwartet.


My existence



2067 1

Aus dem Nichts komme ich
in eine Existenz
entfacht durch eine Ur-Sehnsucht
um mich selbst zu erkennen,
denn Wissen und Bewusstsein
kann ich nur gewinnen
durch die Erfahrung selbst

Überwältigt von meiner Existenz
und den Ereignissen denen ich begegne
gebe ich mich
dem Weg des Lernens hin
getragen von der Ebbe und Flut der Zeit

Dankbar für das, was vollbracht ist
und für das, was sich noch entfalten wird
entdecke ich Freude in jedem Augenblick
Niemals nach einem Sinn suchend,
nur die Erfahrungen des Seins
erscheinend, jetzt und hier
in jeder anderen Lebensform

Auf den Pfaden des Lebens
schreite ich, unwissend
jetzt ohne Wissen über meine wahre Natur
während ich in ein veränderliches Netz gesponnen werde
von verwickelten Koexistenzen

Wenn die Zeit sich selbst einholt
der Raum sich zusammen zieht,
wieder singulär ist
dann wird meine Existenz aufhören
und das Nichts erwartet mich
dort werde ich mich aufhalten
bis meine Sehnsucht
noch einmal aufsteigt
um Zeit und Raum zu entfachen
damit meine Existenz
neu beginnen kann

© Njikoha Ebigbo 2022

2066 1

From nothingness I come
into an existence
enkindled by a primal longing
to know myself,
as knowledge and awareness
I can only gain
through the experience itself

Overwhelmed by my existence
and the events I encounter
I yield myself
to this path of learning
carried along
with the ebb and flow of time

Grateful for what is done
and for that which is to unfold
I discover joy in every moment
Never seeking any meaning,
just the experiences of being
emerging, now and here
in every other life form

So, along the paths of life
I tread, unknowing
now oblivious, of my true nature
as I become spun into a fluid web
of intricate co-existences

When time catches upon itself
space recoils, again singular
then my existence will cease
and nothingness awaits
in which I will reside
until my longing
wells up once more
to spark off time and space
for my existence
to begin anew

© Njikoha Ebigbo 2022


Türkenbundlilie| Clouded Apollo (Parnassius mnemosyne) – Stark gefährdet | Highly endangered


Along the path of time



Auf dem Pfad der Zeit

Die Zeit
nagt
an meinen Knochen
zieht
an Haut und Haar
reibt
an all meinen Sinnen
drückt
auf meinen Schultern
und legt sich
dann schwer und still
auf meinem Körper
nieder

Doch mein Körper
ist nur geliehen
Wenn meine Zeit vorüber ist
verbleib dann nur noch ich
und wenn ich diese Worte
jetzt schon begreife
bin ganz bei mir
entfalte mich
auf dem Pfad der Zeit

© Njikoha Ebigbo 2022

Along the path of time

Time
gnaws
at my bones
pulls
at my skin and hair
corrodes
all my senses
weighs down
my shoulders
and then stretches out
heavy and still
over my body

Yet, all my body
was lent to me
When my time is over
only I will remain
And if I can comprehend
these words just now
Then I would be
completely with myself
forever unfolding
along the path of time

© Njikoha Ebigbo 2022

Bilder Pictures; Silber-grüner Bläuling mit zerfledderten Flügeln | Chalkhill Blue butterfly with tattered wings (Polyommatus coridon)


Beautiful but rare



Schön aber selten

Du bist sehr geschätzt
äußerst begehrt
wenn Du nur wüsstest

Hättest du das gewollt
im Rampenlicht zu stehen
als Du wähltest dieses Kleid?

Ohne Farben, nur feinstes Pergament
mit Linien und Kontraste
Schönheit auf den zweiten Blick

Doch Begierde wird geweckt
durch Profanes sehr oft;
Seltenheit und des Menschen Sammeltrieb

Wo Du verweilst wird nun aufgespürt
dort wo Du Rückzug findest
vor uns Menschen Gier nach Raum

Und im Ruhm liegt die Tragik
Zynisch erscheint dann
deine Schönheit

Wärest Du begehrt
wenn Du flattern würdest
in jeder blühenden Wiese?

Doch lass mich Dein Abbild nehmen
es mit diesen Versen zieren
und Dich zum Botschafter machen

© Njikoha Ebigbo 2022

Beautiful but rare

You are quite valued
highly sought after
if you only knew

Would you have wanted
to be in the limelight
when you chose this dress?

Without colours, just of finest parchment
with lines and contrasts
Beauty at second sight

But desire is aroused
by profanity very often;
rarity and human’s urge to collect

Where you dwell has long been discovered
there where you find retreat
from human’s greed for space

And in fame lies tragedy
your beauty now
appears cynical

Would you be desired
if you were to flutter
in every flowering meadow?

But let me take your portrait
adorn it with these verses
and make you an ambassador

© Njikoha Ebigbo 2022


Schwarzer Apollo| Clouded Apollo (Parnassius mnemosyne) – Stark gefährdet | Highly endangered


Green Immersion



Grün

Farbenfroh der Herbst
Sonnig gelb der Sommer
Blauweiß der Winter
Und der Frühling – grün
Und ich tauche in das Grün
Hoffnung sickert ein
Werde schwer
Ruhe
Sinke sanft hinab
in dieses Bad des Glücks

Green

colourful autumn
sunny yellow summer
blue-white winter
but spring is green
and I immerse myself
in this green
hope seeps in
heaviness
calm
sinking gently down
into this bath of joy

© Njikoha Ebigbo 2022


Grünader Weißling| Green-veined White (Pieris napi)


Winter is astray



Hohler Lerchensporn| Hollowroot (Corydalis cava)

Der Winter hat sich verirrt

Manchmal verirrt sich der Winter,
kehrt zurück,
wenn die ersten Knosen aufbrechen,
wie auf der Suche
nach etwas Zurückgelassenem
Unter der Schleppe seines schneeweißen Gewands
bleicht er die grüne Landschaft aus
und dämpft die knospenden Farben des Frühlings

Und obwohl der Zweck dieser Geschehnisse
sich meinem Verständnis entzieht
fühle ich eine Andeutung eines größeren Schemas
denn nur Akzeptanz, nicht Beschwerde
begleitet diese wiederkehrende Präsenz
Das Muster, das so gewebt,
ist eines des ständigen Wandels
und ergibt ein Gewebe von unendlicher Vielfalt
schimmernd mit unzähligen Möglichkeiten
In diesem Moment der Wertschätzung erkenne ich:
die Rückckehr des Winters
ist nur ein flüchtiger Blick auf das lebendige Gewebe

© Njikoha Ebigbo 2022

Winter is astray

Sometimes winter wanders astray
returning when the first buds break open
as if in search of some left behind
bleaching out the greened landscape
stifling the budding colours of spring
underneath a trailing snow white gown

And although the purpose of these events
is beyond my grasp
there is an inkling of a greater scheme
for only acceptance not complaint
accompanies this returning presence
The pattern thus being woven
is one of constant change
yielding a fabric of infinite diversity
shimmering with uncountless possibilities
In this moment of appreciation
I realise that winter’s return
is just a glimpse of nature’s vibrant weaving

This spring is blue and yellow



Dieser Frühling ist blau und gelb

Den schmalen Pfad hinab, hüpfend
Über entblößte Wurzeln und Gestein
ein reines Herz
vor Vergnügen lacht
mit zarten Berührungen
den Frühlingsvorboten begrüßt

Unter blauem Himmel erschienen
im goldenen Licht der Sonne
die edlen Abgesandten des Frühlings
Blau getupft auf gelb erstrahltem Blattstreu
lächeln sie ihr entgegen
Köpfe sanft wiegend
„Dieser Frühling ist blau und gelb,
und du bist frei“

© Njikoha Ebigbo 2022

This spring is blue and yellow

Down the narrow path
Over exposed roots and rocks
a pure heart skips
laughs with pleasure
as she welcomes with casual touches
tender and sincere
the heralds of spring

Under blue skies appeared
in golden sunlight
Blue specks on yellow radiant leaf litter
they smile at her
heads gently swaying
„This spring is blue and yellow
and you are free“

© Njikoha Ebigbo 2022


Leberblümchen| Liverleaf (Hepatica nobilis)


Spring bears hope



Der Frühling trägt Hoffnung

So ungläubig ich auch sein mag
im Angesicht dieser Verwüstung
weiß ich, du wirst dich durchsetzen
aus dieser winterlichen Verödung

Ich sehe eure Köpfe sich aufrichten
hellblaue Tupfer der Hoffnung
durch die gebräunten Blätter
des letzten Herbstes
zur vollen Blüte erhebend
vor gelber Frühlingskulisse
der heller werdenden Sonne entgegen

Diese zerbrechliche Harmonie,
auf zarten Stängeln aufrecht erhaltend
bestückt mit dem Willen der Natur
zu überdauern
als freie und schöne Wesen

© Njikoha Ebigbo 2022

Spring bears hope

Unbelieving as I may seem
in the face of this depredation
I know that you will push through
this winter‘s desolation

I see your heads uprising
bright blue specks of hope
through the browned leaves of last fall
reaching up to full bloom
against the yellow backdrop
of spring‘s brightening sun

This fragile harmony,
upheld on delicate stalks
endowed with nature‘s will to endure
as free and beautiful beings

© Njikoha Ebigbo 2022


Leberblümchen| Liverleaf (Hepatica nobilis)


Buds of spring



Knospen des Frühlings

Der Morgen ist jetzt blau
wenn die Amseln singen
in mannigfaltigen, süßen Strophen
Die Luft vibriert
voll mit dem Versprechen von Leben
Weckt meine Sinne aus dem Winterschlaf
Beharrlich, dass ich nicht verzichte
auf die vielen leisen Vorboten des Frühlings

Wie viele Male zuvor
war ich in der Einsamkeit des Winters verloren –
trostloser Geist, kahle, verdorrte Welt
Dennoch,
das Leben selbst ist mein Ziel
Ich erhebe mich,
verlasse dieses träge Dasein
auf der Suche nach dem nahenden Frühling

Braune Blätter mit Eis bedeckt
knirschen unter meinen Schritten
wenn ich durch die kahlgeschorenen Wälder streife
Über dem Waldboden streichen
schlanke Finger des Lichts
um auf kleinen tanzenden Blüten zu ruhen
gelbe Köpfe mit grünen Röcken
wiegen sich
im noch leisen Rhythmus des Frühlings

Buds of spring

Morning turns blue
whilst blackbirds speak
in tongues manifold and sweet
That vibrant air
full with the promise of life
wakes my hibernating senses
insisting that I may not forego
spring’s many quiet heralds

How many times before
was I lost in winter’s solitude –
desolate mind, bare withered world
Regardless,
life itself is my purpose
I heave myself up,
leave this wintery bedding
in search of spring’s budding presence

Browned leaves crisp with ice
crunch under my footsteps
as I roam the shaven forests
slender fingers of light crawl
across the forest litter
to rest upon little dancing florets
yellow heads with green skirts swaying
to spring’s yet feeble rhythm


Winterlinge | Winter Aconite (Eranthis hyemalis)