Dialogue



Wenn Worte golden wiegen
Ihre wahre Natur verlierend
werden sie zu Ornamenten
engstirniger Gemüter
verzerrt und nutzlos
Und dann in Stein gemeißelt
werden sie zu Gespenstern
die Rastlosen heimsuchend
Worte wie Abgesandte
verhandeln Perspektiven
denn es gibt keine Wahrheit
in diesem Leben
mit ihren unzähligen Möglichkeiten
die sich alle abspielen
als sich ständig verändernde Realitäten
Lasst uns darum tanzend debattieren
fortwährend
mit befreiter Zunge und offenem Geist
zum unberechenbaren Rhythmus des Lebens
denn das Gesagte wird nie beendet sein

(c) Njikoha Ebigbo 2022

When words weigh golden
they lose their true nature
distorted and futile
ornaments of narrow minds
and if cast in stone
they turn to ghosts
that haunt those
with restless souls

Words like emissaries
negotiate perspectives
for there is no truth
in a life of countless possibilities
all playing out
as ever changing realities
Pray then, let us dance in debate
with candid tongues and open minds
to life’s erratic rhythm
as what is said is never finished


Dieses Naturgedicht ruft zu Toleranz und Frieden durch Dialog auf. Es erkennt an, dass es immer Kompromisse geben wird, die unweigerlich immer wieder aufs Neue ausgehandelt werden müssen, damit Frieden obsiegt.
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This nature poem calls for tolerance and peace through dialogue. It acknowledges that there will always be the need for compromise, which will inevitably have to be continuously negotiated for peace to prevail.


The ancient ones



Die Luft ist frisch und feucht
die wogenden Wolken eilen
während das Sonnenlicht in Flecken
auf die bunte Landschaft fällt
Ich weiß, die Zeit ist gekommen
Jetzt tauchen die Uralten auf
aus dem dunklen irdenen Reich
von weit verwobenen Netzen
um sich endlos auszubreiten
auf dem leichten Atem
des herbstlichen Waldes getragen

(c) Njikoha Ebigbo 2022

The air is fresh
and moisture laden
The billowing clouds, hurried
as sunlight falls in patches
across the flaming lands
I know the time has come
Now the ancient ones emerge
from the dark earthen realm
out of vast woven webs
to spread out far and wide
upon the light breath
of the autumn forest


Amanita muscaria (Fliegen Pilz | Fly agaric or toadstool mushroom)


Dieses Naturgedicht beschreibt die Zeit der Fliegenpilze im Herbst. Pilze sind uralte Lebewesen die mit anderen Lebenwesen auf der Erde fein verwoben sind. Die Symbiose zwischen Mykorrhiza Pilze und Pflanzen ist ein solches Beispiel. Diese Pilze schaffen ein feines Geflecht welches Boden und Wurzeln durchsetzt. In den Wurzel entnehmen sie den Pflanzen Zucker während Pflanzen wiederum Nährstoffe und Wasser entnehmen. Pilze können so fein verzweigte Netze bilden die sich kilometer weit erstrecken. Sie sind effizienter als Pflanzenwurzel und vebinden sogar Bäume miteinander. Das größte Lebewesen ist ein Pilz der sich fast 9 Kliometer weit ausgedehnt hat.
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This nature poem describes the time of toadstools or fly agarics in autumn. Fungi are ancient living beings that are finely interwoven with other living beings on earth. The symbiosis between mycorrhizal fungi and plants is one such example. These fungi create a fine network that permeates the soil and roots. In the roots, they obtain sugar from the plants, while plants in turn obtain nutrients and water. Fungi can thus form finely branched networks that extend for kilometres. They are more efficient than plant roots and even link trees together. The largest living organism is a fungus that stretches almost 9 kilometres.


Sporen von| Spores of Amanita muscaria (Fliegen Pilz | Fly agaric or toadstool mushroom)

Freedom of peace



Ich stieß auf eine Welt
wo alle das Gleiche wollten
dieselben Dinge
zur gleichen Zeit

Einige nahmen nach Belieben
und bekamen doch nie genug
Andere teilten
und erwarteten im Gegenzug mehr

Keiner bekam je genug
von irgendetwas
außer von ihren eigenen Kämpfen
wovon sie unersättlich schienen

Über das Getümmel
und jenseits ihrer Qualen
überdauert unbemerkt
ein paralleler Ort der Ruhe
der schon immer da war

Als ich die Welt der Kämpfe
hinter mir ließ
verstand ich
dass das Streben dazu diente
die Freiheit zu finden
in Frieden zu sein

Alles was nötig ist
ist einfache Dankbarkeit
anstelle von Verlangen
denn alles was gegeben wird
gehört einem anderen

(c) Njikoha Ebigbo 2022

I came across a world
where all wanted
the same things
at the same time

Some took at will
yet never got enough
Others shared
and in return expected more

None ever got enough
of anything
except their own struggles
of which they seemed insatiable

Above the turmoil
and beyond their agony
there endured unnoticed
a parallel place of calm

When I left the world of struggles
behind me
then I understood
that strive was to gain
freedom to be at peace

All it would have taken
was simple gratitude
instead of want
for all that is given
belongs to another


Dieses Naturgedicht macht deutlich, dass der Mensch die Wahl hat, Frieden zu schaffen. Das liegt daran, dass der Mensch ein Bewusstsein besitzt, das in der Lage ist, Dankbarkeit zu empfinden, und eine angeborene Fähigkeit hat, Mitgefühl zu zeigen und sich der Zusammenarbeit hinzugeben.

This nature poem establishes that peace is a choice that humankind has. This is because humankind possesses a conciousness that is capable of experiencing gratitude and an innate capacity to show compassion and indulge in cooperation.


Into the light


Hohler Lerchensporn| Hollowroot (Corydalis cava)

Ins Light

In meinen dunkelsten Zeiten
als ich die lautlose Brise
des an mir vorbeiziehenden Todes spürte
und die Angst, das Leben zu verlieren
mir enge Gesellschaft leistete
sehnte ich mich nach dem erlösendem Licht

Die Dunkelheit wog schwer
je mehr ich mich sehnte,
verdichtete sie sich, bis zur Verzweiflung
und ich verlor mich ganz
im Nichts
die Angst zurück lassend

Im Angesicht der Leere
erkenne ich
die Essenz der Natur
Dunkelheit
und Licht
keines geht ohne das andere

Ich habe nichts zu befürchten
denn die Dunkelheit führt zum Licht
noch brauche ich mich zu sehnen
denn das Licht ist einfach
nur auf der anderen Seite der Dunkelheit


Into the light

In my darkest times
when I felt
the soundless breeze of death
passing by me
and the fear
of losing life
kept close company
I yearned
for relieving light

Darkness weighed heavily
the more I longed
thickening,
into despair
until I lost myself
entirely
into nothingness
leaving fear behind
without a hold on me

In the face of emptiness
I realise nature’s essence
darkness
and light
none goes without the other

I have nothing to fear
as darkness leads to light
nor do I have to yearn
for light is always
just
at the other side of darkness

© Njikoha Ebigbo 2022


Out of love


Aus Liebe

Lass mich für Dich sorgen, meine Liebe
Komm in meine Umarmung,
ich werde Dich beschützen
Erlaube mir, alles von mir zu teilen,
Wissen und Einsicht
Dich von deiner Last erleichtern
Denn Dein Glück
ist die Quelle meiner Freude

Wie kann ich mich nicht zurückhalten
mit meiner allumfassenden Sorge?
Da jeder deiner Wünsche
Mühe und Schmerz
Sorgen und Ängste
in meiner Seele widerhallt
entlang von Bindungen, die
den Zyklus von Tod und Geburt überschreiten

Doch ich erinnere mich, dass wir miteinander verwoben sind
in Bändern der Liebe
Zeitlose, niemals schwindende, selbstlose Liebe
Wie kann ich Dir dann die Chance verweigern
die Chance, zu lernen und das Leben zu erfahren?
Auf deinem eigenen Weg, in deinem eigenem Tempo
Denn die Essenz des Lebens
ist die Erfahrung selbst

So höre ich auf mich einzumischen
Erlaube mir Dich zu begleiten
auf diesem lernenden Lebensweg,
denn auch ich muss mich auf dieses Leben einlassen
Deshalb bitte ich: Verzeih!
Diese Momente meiner Unvollkommenheit
Während wir die Essenz des Lebens annehmen
Hand in Hand


Out of love

Let me care, my dearest one
Come into my embrace,
I shall keep you safe
Allow me to share all of mine
knowledge and insight
and relieve your burden
for your happiness
is my source of joy

How can I not hold back
with my encompassing concern?
As your every desire
trouble and pain
worry and fear
reverberate within my very soul
along bonds transcending
the cycles of death and birth

But I remember that we are interwoven
in bands of love
Timeless, never dwindling, unselfish love
How then can I deny you
the chance to learn and experience life?
On your own path, at your own pace
For the essence of life
is the experience itself

So let me cease to interfere
but rather accompany you
on this learning life path
as I too must apply myself to this life
Pray then, do not hold against me
those moments of my imperfection
As we embrace the essence of life,
hand in hand

© Njikoha Ebigbo 2021


My soul sediments


Die Schichten meiner Seele

Erinnerungen verweilen
jetzt, irgendwo
tief in meinen Inneren
Schicht um Schicht
setzen sie sich ab
und meine Erfahrungen
formen meine Seele

Darum lass mich bewusst sein,
eines jeden Augenblickes
des Lebens, der vergeht
Denn wie ich entscheide
zu sehen, wird zu meinem Selbst


My Soul Sediments

Memories linger on, now
somewhere, deep inside
constantly settling down

Layer after layer
all my experiences
form my soul

So let me be aware
of every moment
of life, passing

As how I choose
to see
becomes me

© Njikoha Ebigbo 2021


Existence


Existenz
——
| Bedeutsam |
Das Leben ist so groß
Unendlich
Das Universum ist alles
Ewig
Und ich bin unwesentlich?

| Wirklichkeit |
Alles ist so klein wie es groß ist
und so groß wie es klein ist
Alles ist, gleichzeitig
und doch getrennt
Und ich, mittendrin

| Verbindung |
Energie, Elemente, Atome
wechseln Form, Ort, Zeit
Materie, Körper, Raum
Jetzt ein Tier, damals ein Berg
Und morgen bin ich ein Baum

| Transzendenz |
Die Ewigkeit beginnt
mit der Endlichkeit
Alles bedingt einander, wechselnd
und jedes ist sich selbst bewusst
Ich bin, im Sein, und wie Licht, ewig

Existence
——
| Meaningfulness |
Life is so vast
Infinite
The universe is everything
Eternal
And I am insignificant?

| Reality |
Everything is as small as it is big
and as big as it is small
Everything happens, at the same time
and yet is separate
And I am right within it all

| Connection |
Energy, elements, atoms
change form, place, time
Matter, body, space
Now an animal, then a mountain
And tomorrow I will be a tree

| Transcendence |
Eternity begins
with finiteness
Everything is determined by each other
each being aware of itself
And I am, in being, and like light, eternal

© Njikoha Ebigbo 2021


Rising above myself


Helmlinge im Ried | Mycena mushrooms

Über mich selbst erhebend

Ich sehe die Tiere an
und ich begreife eine Selbstverständlichkeit
mit der sie nach Nahrung suchen
sich vermehren und sterben

So sehe ich es auch den Bäume an
diese Selbstverständlichkeit in ihrem Dasein
Ich spüre dieses Gefühl welches sie verströmen
So friedlich, so frei, als wären sie voller Liebe

Es ist als ob sie ihr Leben
nach etwas ausrichten
was ich schon längst vergessen habe,
wie ein gut verborgenes Geheimnis
Ich glaube es ist der Sinn des Lebens

Ich schließe meine Augen
denn ein solches Geheimnis
versteckt man am besten dort
wo es kaum zu erwarten wäre

Ganz nah und doch so fern
mitten in mir drinnen
Nach vielen mühevollen Jahren
befreit von allen Ängsten
mit dem geklärten Blick des Ur-Vertrauens
entdecke ich es nun
tief in mir verborgen

Dort liegt ein Ur-Bedürfnis verkümmernd
und beschwört meine Aufmerksamkeit,
drängt mich dazu über allen Dingen zu stehen
Zu erfahren was größer ist
als meine Vorstellungskraft zu denken vermag

Es ist das Universum selbst
in mir versteckt
zur vollkommenen Entfaltung wartend
um das Leben zu leben
als verwobener Teil eines großen Ganzen
Es ist das Sein
im unendlich verflochtenen Netz des Lebens

So begreife ich
es gibt weder Gut noch Bös
richtig noch falsch
Keine Gerechtigkeit
So ist die Natur
der bedingungslosen Liebe
Die einzige Freiheit
ist die meiner eigenen Entfaltung
über das Selbst hinaus
als Teil eines großen Ganzen
Ein Sein im Zustand dieses gestillten Bedürfnisses

Rising above myself

I see it in the animals
that natural ease
with which they search for food
multiply and die

I also recognise it in the trees
this natural ease in their existence
I sense this feeling which they exude
So peaceful, so free, as if full of love

It is as if they direct their lives
according to something
that I have long forgotten
like a well-hidden secret
I believe it is the meaning of life

I close my eyes
as such a secret
is best hidden
where it is hardly to be expected

So near and yet so far
right inside of me
After all those years of toil
freed from all fears and worries
with the cleared view borne of primal trust
I now discover it
hidden deep within myself

There, a primal need lies withering away
yet summons my attention
Urging me to rise above all things
To experience what is greater
than my imagination can conceive

It is the universe itself
hidden right within me
awaiting perfect unfolding
so as to live this life
as an interwoven part
of a greater whole
It is being
in the infinitely interwoven web of life

So I understand
there is neither good nor evil
right nor wrong
No justice
Such is the nature
of unconditional love
The only freedom
is that of my own personal unfoldment
as part of a greater whole
A being in the state of this fulfilled need

© Njikoha Ebigbo 2021